
Wirkung zu versprechen ist leicht. Fast jeder Fonds, jede Beteiligung und jedes Start-up beansprucht heute, „etwas zu bewegen". Den Beweis dafür anzutreten ist deutlich anspruchsvoller. Denn Impact, der nicht gemessen wird, bleibt eine Behauptung. Und Behauptungen sind in einem Markt, der zunehmend auf Daten besteht, wenig wert. Dieser Beitrag zeigt, wie Wirkungsmessung funktioniert, welche Kennzahlen wirklich zählen und warum Messbarkeit zur zentralen Währung nachhaltiger Investments wird.
Warum Messbarkeit zur Währung wird
Impact Investing ist längst kein Nischenphänomen mehr. Das Global Impact Investing Network (GIIN) beziffert den weltweiten Markt in seiner Studie „Sizing the Impact Investing Market 2024" auf 1,571 Billionen US-Dollar. Das ist erstmals oberhalb der Marke von 1,5 Billionen und gegenüber 2019 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 21 Prozent. Mit dem Kapital wächst der Begründungsdruck: Wer Wirkung verspricht, muss sie belegen können.
Genau hier liegt das Problem. Anders als bei der finanziellen Rendite gibt es für Wirkung keine universelle Maßeinheit, kein selbstverständliches Pendant zum Jahresabschluss. Sir Ronald Cohen, einer der Pioniere des Impact Investing, sieht die Lösung in einer systematischen, finanzanalogen Verbuchung von Wirkung:
„I believe that impact transparency is the next big step and that we will see impact accounting come into being over the next two to three years."
(impact-investor.com)
Cohens Überzeugung: Impact-Transparenz ist der nächste große Schritt, die systematische Verbuchung von Wirkung in einer Art Wirkungsbilanz. Erst wenn Impact-Daten gleichberechtigt neben den Finanzkennzahlen stehen, werden sie für Investitionsentscheidungen wirklich relevant. Messbarkeit ist damit nicht das Beiwerk eines glaubwürdigen Investments, sondern dessen Fundament.
Was Impact Measurement eigentlich ist
Wirkungsmessung beginnt nicht mit einer Kennzahl, sondern mit einer Frage: Was genau soll sich für wen verändern? Eine belastbare Messung unterscheidet dabei zwischen Output (was getan wurde, etwa Anzahl finanzierter Anlagen), Outcome (welche Veränderung daraus entstand, etwa eingesparte CO₂-Tonnen) und Impact (welcher Teil dieser Veränderung tatsächlich auf das Investment zurückgeht). Wer Output mit Wirkung verwechselt, misst Aktivität, nicht Ergebnis.
Den maßgeblichen Rahmen dafür hat das Impact Management Project (IMP) gesetzt, das fünf Dimensionen von Wirkung definiert: What, Who, How Much, Contribution, Risk. Clara Barby, die das IMP über Jahre leitete, beschreibt den Ansatz als gemeinsame Arbeit an der Praxis statt als starres Regelwerk:
„IMP's roots were in bringing practitioners together to push the frontier of best practice in impact management."
(impactfrontiers.org)
Die fünf Dimensionen sind heute die Grammatik der Wirkungsmessung: Sie zwingen dazu, nicht nur das „Was", sondern auch das „Für wen", das „Wie viel", den eigenen Beitrag und das Risiko des Ausbleibens zu benennen. Genau diese Differenzierung trennt eine fundierte Wirkungsanalyse von einer geschönten Erfolgsgeschichte.
Welche Kennzahlen wirklich zählen

Damit Wirkung vergleichbar wird, braucht es eine gemeinsame Sprache, so wie Bilanzen weltweit denselben Regeln folgen. Das wichtigste Vokabular dafür liefert das vom GIIN entwickelte System IRIS+ mit standardisierten Kennzahlen für hunderte Wirkungsthemen. Amit Bouri, Mitgründer und CEO des GIIN, ordnet dessen Stellung im Markt klar ein:
„our IRIS+ system is now widely accepted by the industry as the standard for measuring and managing impact."
(impact-investor.com)
Entscheidend ist nicht die Menge der Kennzahlen, sondern ihre Aussagekraft. Eine belastbare Outcome-Kennzahl benennt einen Ausgangswert (Baseline), ein Ziel und einen Zeithorizont; sie lässt sich auf eine konkrete Geschäftstätigkeit zurückführen und ist über die Jahre konsistent erhoben. Reine Aktivitätszahlen wie investierte Summen, Anzahl Projekte oder abgehaltene Workshops wirken beeindruckend, sagen über die tatsächliche Veränderung aber wenig aus.
Der Wert standardisierter Kennzahlen liegt vor allem in der Vergleichbarkeit. Solange jeder Investor seine eigenen Indikatoren definiert, lassen sich zwei Fonds, die beide „Klimawirkung" beanspruchen, schlicht nicht gegeneinander abwägen. Erst eine gemeinsame Definition, etwa der vermiedenen Treibhausgas-Emissionen oder der erreichten einkommensschwachen Haushalte, macht aus Einzelberichten ein Marktbild. Genau das ist die Funktion, die Bilanzierungsstandards seit Jahrzehnten für die Finanzwelt erfüllen und die der Wirkungsmessung bislang gefehlt hat.
Die Falle der Selbstdarstellung
Mit dem Anspruch steigt die Versuchung, Messung zur Inszenierung zu nutzen. George Serafeim, Professor an der Harvard Business School und einer der Architekten der Impact-Weighted Accounts, bringt die Verwechslung von Berichten und Bewirken auf den Punkt:
„Disclosing your carbon footprint is not equal to reducing your carbon footprint."
(advancedleadership.harvard.edu)
Die Offenlegung einer Kennzahl ist eben kein Beleg für Wirkung. Serafeim warnt vor „Goodwashing", dem Ausweis positiver Praktiken, die das tatsächliche Ergebnis nicht verbessern. Ein glaubwürdiges Messsystem schützt davor, weil es nicht die schönsten, sondern die relevanten Größen erhebt und sie einer externen Prüfung zugänglich macht. Wo gemessen wird, was sich leicht messen lässt, statt das, worauf es ankommt, entsteht aus Daten kein Vertrauen, sondern eine neue Form des Schönfärbens.
Vom Bericht zur Bilanz: Wirkung in Zahlen fassen

Die nächste Stufe der Wirkungsmessung übersetzt Impact in eine vergleichbare Größe: Geld. Die aus der Harvard-Forschung hervorgegangene International Foundation for Valuing Impacts (IFVI) veröffentlichte am 15. Oktober 2024 ihre vorläufigen Methodiken zur monetären Bewertung von Umweltwirkungen. Die zugehörige Datenbank umfasst nahezu 100.000 Wertfaktoren, deckt mehr als 430 verschiedene Wirkungsarten ab und ist auf die Bedingungen von über 268 Ländern und Regionen zugeschnitten. Das ist ein Schritt hin zu Wirkungsdaten, die sich wie Finanzkennzahlen vergleichen lassen.
Was als Messung beginnt, mündet so in eine Steuerungslogik: Erst die monetäre Bewertung macht den Trade-off zwischen Rendite und Wirkung sichtbar und entscheidbar. Doch Messung ist kein Selbstzweck. Sie soll Entscheidungen verbessern, über Kapitalallokation, Produktgestaltung und Priorisierung. Jed Emerson, der den Begriff des „Blended Value" geprägt hat, erinnert daran, dass Wert von Anfang an mehrdimensional gedacht werden muss:
„… all organizations create economic, social and environmental value components – but most are not managed to maximize their true potential performance."
(blendedvalue.org)
Wirkung und Rendite sind in dieser Sicht keine Gegensätze, sondern Bestandteile eines einzigen, ganzheitlichen Wertbegriffs. Ein Messsystem, das beides erfasst, erlaubt es, Organisationen genau darauf hin zu steuern, statt finanziellen Erfolg und gesellschaftlichen Beitrag künstlich zu trennen.
Was das konkret bedeutet
Ein glaubwürdiges Messsystem erkennt man nicht an der Zahl der Kennzahlen, sondern an ihrer Belastbarkeit. Für Investoren wie für Unternehmen lässt sich Wirkungsmessung auf wenige, überprüfbare Kriterien herunterbrechen. Entscheidend ist zunächst, Outcome statt Output auszuweisen. Nicht „X Millionen investiert" oder „Y Projekte gestartet" zählt, sondern die belegte Veränderung, die daraus entstanden ist. Dazu gehört jede Kennzahl mit Ausgangswert, angestrebtem Wert und Stichtag, denn ohne Bezugspunkt ist eine Zahl nicht interpretierbar. Erhoben werden sollte sie entlang etablierter Rahmenwerke wie IRIS+ oder den fünf Dimensionen des IMP, damit Wirkung überhaupt vergleichbar wird.
Hinzu kommt der Nachweis des eigenen Beitrags, also der Contribution: Welcher Teil der Veränderung geht tatsächlich auf das Investment zurück und wäre nicht ohnehin eingetreten? Und schließlich sollten die Wirkungsdaten unabhängig verifiziert oder zumindest nachvollziehbar dokumentiert sein, statt ausschließlich selbst berichtet zu werden. Erst diese externe Prüfung trennt belastbare Zahlen von gefälliger Selbstdarstellung.
Genau diesen Maßstab legt die DN Group AG an ihre eigenen Investments an. Jede Beteiligung durchläuft einen strukturierten Impact-Prozess, in dem der Beitrag zu konkreten Zielen nicht behauptet, sondern entlang nachvollziehbarer Kennzahlen geprüft und messbar gemacht wird. Wirkung ist aus dieser Perspektive keine Frage der Darstellung, sondern des Nachweises und damit die Grundlage jeder Investitionsentscheidung. Denn Impact, der sich nicht belegen lässt, ist kein Impact, sondern ein Versprechen. Erst das Messsystem macht aus dem Versprechen Glaubwürdigkeit.