
Geld auf der einen, Gewissen auf der anderen Seite, so lautet eine der hartnäckigsten Annahmen über das Anlegen. Wer Rendite will, müsse Werte zurückstellen; wer auf Werte achtet, müsse Rendite opfern. Für viele Privatanleger fühlt sich Vermögensaufbau deshalb wie ein Kompromiss an. Doch dieser Gegensatz ist weniger ein Naturgesetz als ein Denkmuster. Nachhaltiger Vermögensaufbau setzt genau hier an. Er behandelt Werteorientierung und wirtschaftliches Denken nicht als Gegner, sondern als zwei Linsen auf dieselbe Entscheidung. Dieser Beitrag zeigt, warum Verantwortung und Rendite kein Widerspruch sein müssen und wie beides zusammenwirkt.
Der vermeintliche Gegensatz: Werte gegen Rendite
Die Vorstellung, dass ethisches Anlegen Geld kostet, sitzt tief. Sie speist sich aus einem einfachen Bild des Marktes: Kapital strebe ausschließlich nach maximaler Rendite, alles andere sei Beiwerk. Wer dieser Logik folgt, betrachtet jede Wertentscheidung als Abzug von der Performance. Genau diese Annahme hat Audrey Choi, langjährige Leiterin des Morgan Stanley Institute for Sustainable Investing, in ihrem vielbeachteten TED-Talk hinterfragt. Sie beschreibt die Kapitalmärkte als unterschätzte Kraft, deren Richtung wir mitbestimmen können:
„… the institution of the global capital markets, the nearly 290 trillion dollars of stocks and bonds in the world, that that may be one of our most powerful forces for positive social change at our disposal, if we ask it to be."
(ted.com)
Der entscheidende Halbsatz ist „if we ask it to be", wenn wir es also einfordern. Choi verweist auf eine Befragung, in der die Mehrheit der Anleger Nachhaltigkeit wollte und zugleich glaubte, dafür auf Rendite verzichten zu müssen. Das Anliegen ist also längst da; was fehlt, ist das Vertrauen, dass sich Werte und Wertentwicklung verbinden lassen.
Warum sich die Wahrnehmung verschiebt
Dass dieses Vertrauen wächst, lässt sich inzwischen in Zahlen fassen. Laut der Studie „Sustainable Signals" des Morgan Stanley Institute for Sustainable Investing aus dem Jahr 2024 geben 77 Prozent der privaten Anlegerinnen und Anleger weltweit an, an nachhaltigen Investments interessiert zu sein, an Anlagen also, die marktübliche Renditen anstreben und zugleich einen positiven gesellschaftlichen oder ökologischen Beitrag berücksichtigen. 54 Prozent planen, ihren Anteil an solchen Investments im kommenden Jahr zu erhöhen. Werteorientierung ist damit kein Nischenphänomen mehr, sondern eine Erwartung der Breite.
Auch die Kapitalbasis wächst. Laut Morningstar erreichte das weltweite Vermögen nachhaltiger Fonds Ende 2024 mit rund 3,2 Billionen US-Dollar einen neuen Höchststand. Solche Zahlen widerlegen den Verzichtsgedanken nicht für sich allein, aber sie zeigen, dass ein wachsender Teil des Kapitals beide Ziele zugleich verfolgt, ohne dass die Märkte dies bestrafen.
Werte als Kompass, nicht als Bremse

Wer Werte ernst nimmt, behandelt sie nicht als nachträglichen Filter, sondern als Kompass für die Entscheidung selbst. Diese Haltung hat Amy Domini geprägt, eine der Pionierinnen des werteorientierten Investierens und Gründerin von Domini Impact Investments. Für sie beginnt das Anlegen mit einer Frage nach dem Ziel, nicht nach dem Produkt:
„I believe we all want ecological sustainability. We want the planet to exist. We all want universal human dignity. … If you answer yes to that question, then come with me. That's my field."
(domini.com)
Dominis Punkt ist subtil: Werte sind keine Einschränkung des Anlageuniversums, sondern eine Aussage darüber, welche Zukunft man finanzieren möchte. Wer weiß, wohin er will, trifft konsistentere Entscheidungen, und genau das ist auch wirtschaftlich kein Nachteil. Unternehmen, die Ressourcen schonen, faire Arbeitsbedingungen bieten und langfristig denken, tragen oft geringere Risiken. Werteorientierung wird so zu einem Instrument der Risikoeinschätzung, nicht zu deren Gegenteil.
Wo Verantwortung und Rendite zusammenfließen
Theoretisch lässt sich der Brückenschlag zwischen Geld und Wirkung am klarsten mit dem Konzept des „Blended Value" fassen. Antony Bugg-Levine und Jed Emerson, die das Feld des Impact Investing maßgeblich mitgeprägt haben, beschreiben Wert grundsätzlich als untrennbare Einheit aus finanziellen, sozialen und ökologischen Anteilen:
„Impact investing is what we do; Blended Value is what we create."
(blendedvalue.org)
Die Aussage dreht die gewohnte Reihenfolge um. Nicht „erst Rendite, dann vielleicht Wirkung", sondern: Jede Investition erzeugt ohnehin beides. Die Frage ist nur, ob man die soziale und ökologische Dimension misst und steuert oder sie ignoriert. Aus dieser Perspektive ist der Verzicht auf Werteorientierung keine neutrale Entscheidung, sondern eine, die einen Teil des erzeugten Werts schlicht ausblendet.
Wie groß der Hebel des Kapitals dabei ist, formuliert Sir Ronald Cohen, einer der einflussreichsten Wegbereiter des Impact Investing, ungewohnt grundsätzlich:
„Capitalism has served us well over the last 250 years, but it has become untenable in its present form. It needs radical change."
(sirronaldcohen.org)
Cohen plädiert dafür, neben Risiko und Rendite eine dritte Dimension zum Maßstab zu machen: die Wirkung. Für private Anleger heißt das nicht, das System umzubauen, sondern die eigene Entscheidung um diese Dimension zu erweitern und Anbieter danach auszuwählen, ob sie Wirkung belegen können oder nur behaupten.
Vom Anspruch zur Entscheidung

Der Weg von der guten Absicht zur belastbaren Anlage führt über Nachweise. Wo „nachhaltig" nur auf dem Etikett steht, ohne dass Kriterien, Daten und Ziele offenliegen, bleibt von der Werteorientierung wenig übrig. Dieses Risiko ist unter dem Stichwort Greenwashing bekannt. Die Frage ist deshalb nicht, ob ein Produkt sich grün nennt, sondern woran sich seine Wirkung messen lässt. Jacqueline Novogratz, Gründerin des Impact-Fonds Acumen, verschiebt den Maßstab dabei vom Können zum Wollen:
„It's not a question of whether we have enough capital. It's a question of whether we have the moral imagination to rethink the way our system of capitalism can be extended."
(acumen.org)
Kapital ist reichlich vorhanden, entscheidend ist, wofür es eingesetzt wird. Für den einzelnen Anleger übersetzt sich dieser Gedanke in konkrete Fragen: Welche Zukunft soll mein Geld finanzieren? Welche Belege verlange ich dafür? Und stimmt die berichtete Wirkung mit der tatsächlichen überein? Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob Werteorientierung Substanz hat oder bloße Selbstbeschreibung bleibt.
Was das konkret bedeutet
Vermögensaufbau und Werteorientierung lassen sich verbinden, aber nicht durch ein Bekenntnis, sondern durch Prüfung. Für private Anleger beginnt das damit, die eigenen Werte zuerst zu klären, also festzulegen, welche zwei bis drei Themen wirklich zählen, etwa Klima, faire Arbeit oder Gesundheit, statt pauschal „etwas Gutes" tun zu wollen. Im nächsten Schritt gilt es, Etiketten zu hinterfragen. Wer nicht dem Begriff „nachhaltig" vertraut, sondern nach den Anlagekriterien, Ausschlüssen und Wirkungszielen des Produkts fragt, kommt der Substanz näher. Entscheidend ist dabei, sich die Wirkung mit Daten belegen zu lassen und auf nachvollziehbare Kennzahlen sowie externe Prüfungen zu achten, denn ohne Beleg bleibt Wirkung eine Behauptung.
Dazu gehört, die Rendite realistisch einzuordnen. Kosten, Risiko und Streuung sind wie bei jeder Anlage zu prüfen; Werteorientierung ersetzt nicht die finanzielle Sorgfalt, sondern ergänzt sie. Und weil eine Anlage keine einmalige Entscheidung ist, lohnt es sich dranzubleiben, regelmäßig zu prüfen, ob das Investment die versprochene Wirkung tatsächlich liefert, und bei Bedarf umzuschichten.
Genau diesen Maßstab legt die DN Group AG an ihre eigenen Investments an. Statt Werte und Rendite gegeneinander auszuspielen, durchläuft jede Beteiligung einen strukturierten Venture-Impact-Assessment-Prozess, der den messbaren Beitrag zu konkreten Zielen prüft und zur Grundlage jeder Investitionsentscheidung macht. Aus dieser Perspektive ist Werteorientierung keine Frage der Gesinnung, sondern des Nachweises, und Rendite kein Gegenpol zur Verantwortung, sondern ihr langfristiger Begleiter. Wer Vermögensaufbau so versteht, muss sich nicht zwischen Geld und Gewissen entscheiden. Er macht beides zur selben Entscheidung.