Im Gespräch mit Hanno Martens: Wie die DN Group Impact wirklich prüft

Hanno Martens 20250915 4U3A7888 jpg

Vertrauen ist die Währung des Impact Investing. Wer verspricht, mit Kapital etwas zu bewirken, muss diesen Anspruch auch belegen können, sonst bleibt es beim grünen Anstrich. Genau an dieser Stelle setzt der Investment-Prozess der DN Group AG an, der in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der CBS International Business School spürbar weiterentwickelt wurde. Wir haben mit Prof. Dr. Hanno Martens gesprochen, Professor für Nachhaltiges Management und Sportpsychologie und an der Entwicklung des Prozesses maßgeblich beteiligt, über strikte Prüfschranken, ein neues Scoring-Modell und die Frage, warum Rendite und Wirkung längst kein Widerspruch mehr sind.

Warum braucht es überhaupt so strenge Prüfschranken?

In der Finanzbranche wird viel über nachhaltige Anlagen gesprochen, oft ohne belastbare Kriterien dahinter. Wir wollten wissen, warum die DN Group AG auf einen derart detaillierten, standardisierten Investment-Prozess setzt und was passiert, wenn Investoren ohne klare Prüfschranken agieren.

„Beim Impact Investing spielt das Vertrauen der Investoren eine absolute Schlüsselrolle. Die DN Group ist in der Verantwortung ihrem Namen und Claim gerecht zu werden. In der Vergangenheit gab es immer wieder Beispiele von Firmen, die sich lediglich einen grünen Anstrich verpasst haben. Um solches Greenwashing effektiv zu verhindern, werden zwingend transparente und vergleichbare Daten benötigt. Unser standardisierter Prozess schafft diese Transparenz und gibt Stakeholdern die Sicherheit, dass der beworbene Impact in der Realität stattfindet. Ohne vergleichbare Kriterien fehlt schlichtweg die Legitimation.”
Prof. Dr. Hanno Martens

Ohne einheitlichen Maßstab, so Martens, bleibt jedes Nachhaltigkeitsversprechen eine Behauptung. Erst vergleichbare Daten machen daraus einen überprüfbaren Anspruch.

Das Membran-Modell: drei Prüfschranken für jedes Investment

Der Prüfprozess für potenzielle Investments wurde in den vergangenen Jahren zu einem mehrstufigen Modell weiterentwickelt, das Martens als Membran beschreibt: durchlässig für das, was den eigenen Kriterien entspricht, undurchlässig für alles andere. Wir wollten wissen, was daran konkret neu ist und warum sich gerade dieser mehrstufige Filter als bester Weg erwiesen hat.

„Wir haben gemeinsam mit wissenschaftlichen Netzwerken und der CBS International Business School ein Framework erarbeitet, das jedes potenzielle Asset durchlaufen muss. Dieses Modell funktioniert über drei essenzielle Prüfschranken. In der ersten Membran filtern wir durch harte Negativkriterien Unternehmen direkt heraus, die beispielsweise in den Bereichen Waffen, Rüstungsindustrie oder fossile Brennstoffe tätig sind, das sind K.-o.-Kriterien. Die zweite Schranke erfordert einen positiven Beitrag zu den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der UN. Jedes Asset muss auf mindestens ein SDG positiv einzahlen, sonst gibt es kein Investment. Die dritte Stufe bilden schließlich unsere eigenen detaillierten DN ESG Prüfkriterien. Diese mehrstufige Architektur garantiert uns den Erhalt hoher sozial-ökologischer Standards für echte Impact Investments.”
Prof. Dr. Hanno Martens

Erst wer alle drei Membranen durchquert, gilt überhaupt als investierbar. Ausschluss, Wirkungsnachweis und ein eigenes ESG-Raster greifen damit nicht nacheinander als lose Checkliste, sondern als aufeinander aufbauende Filterstufen.

Harte Kennzahlen statt weicher Versprechen

Damit aus dem Modell mehr wird als eine Theorie, braucht es belastbare Daten. Wir fragten, wie stark sehr konkrete, harte Kennzahlen in die letztendliche Investitionsentscheidung einfließen, wenn Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte ausgewertet werden.

„Sie fließen fundamental ein, denn wir brauchen quantitative Aussagen. Erst durch harte Daten wird Nachhaltigkeit vergleichbar. Wir orientieren uns bei unseren DN ESG Kriterien an einem „Best of“ verschiedener Standardwerke wie der CSRD, den ESRS-Standards und der EU-Taxonomie. Wir prüfen bei der Dokumentenanalyse genau nach und messen konkrete Indikatoren wie den CO2-Fußabdruck, Wasserverbrauch oder Vergütungsfairness. Dabei hilft uns die aktuelle EU-Regulatorik, insbesondere die doppelte Wesentlichkeitsanalyse der CSRD, enorm. Nachhaltigkeit ist heute kein rein theoretisches Konzept mehr; es ist ein spürbarer Impact, der sich durch KPIs exakt nachweisen lässt.”
Prof. Dr. Hanno Martens

Die europäische Berichtspflicht wird in diesem Ansatz nicht als bürokratische Pflichtübung behandelt, sondern als Werkzeug: Wo Unternehmen ohnehin detailliert berichten müssen, entstehen genau jene vergleichbaren Datenpunkte, auf die ein strenger Investmentprozess angewiesen ist.

40 Kriterien, ein Schwellenwert: das neue Scoring-Modell

Analyst prüft Kennzahlen und Diagramme an mehreren Bildschirmen als Symbol für ein datenbasiertes Scoring-Modell

Wer die dritte Membran erreicht, muss sich einem eigens entwickelten Scoring-Modell stellen. Wir wollten wissen, wie dieser neue Ansatz in der unternehmerischen Praxis konkret aussieht.

„Wir haben in Workshops, gemeinsam mit dem Management des jeweiligen Assets sowie Fachexperten, Klimawissenschaftlern und Resilienzforschern, einen eigenen Scoring-Ansatz entwickelt. Unser Katalog umfasst 40 verschiedene Kriterien, bei denen ein Unternehmen Datenpunkte sammeln muss. Wir haben einen Schwellenwert von 25 Punkten definiert. Das ist bewusst ein ambitioniertes Ziel. Schneidet ein Unternehmen in bestimmten Bereichen nicht nachhaltig ab, zieht das den Gesamtscore stark nach unten, was eine Qualifizierung für ein Investment verhindert. Dieses Cockpit stellt sicher, dass ein Asset im sozial-ökologischen Kontext zweifelsfrei nachhaltig genug ist.”
Prof. Dr. Hanno Martens

Der Schwellenwert wirkt bewusst wie eine harte Grenze und nicht wie ein Durchschnittswert. Schwächen in einzelnen Bereichen lassen sich damit nicht durch Stärken in anderen Feldern kompensieren, ein einzelner wunder Punkt kann eine Beteiligung kippen.

Kein Widerspruch: Rendite und ökologischer Mehrwert

Kritische Stimmen behaupten immer wieder, ein derart strenger sozial-ökologischer Prüfprozess gehe zulasten der finanziellen Rendite. Wir fragten, wie das Framework sicherstellt, dass ökonomischer Erfolg und ökologischer Mehrwert strategisch zusammengedacht werden.

„Dieser Zielkonflikt zwischen Ökonomie und Ökologie wurde oft debattiert, da viele nur die kurzfristigen Kosten für Nachhaltigkeitsmaßnahmen sahen und die langfristigen Effekte völlig ausblendeten. Doch die Realität zeigt: Unternehmen erschließen sich durch nachhaltige Produkte völlig neue Geschäftsfelder, erkennen und bedienen soziale Bedürfnisse, Zielgruppen und binden Mitarbeiter besser an sich. Zudem arbeiten sie durch implementierte nachhaltige Prozesse mittel- bis langfristig deutlich effizienter, risikoärmer und kostensparender. Profit und Ökologie, sowie auch Soziales und Profit, müssen und können zusammengedacht werden. Wer diese komplexe Schnittstelle zwischen ökonomischem Erfolg und sozial-ökologischem Mehrwert am besten bedient und kommuniziert, wird in Zukunft am erfolgreichsten sein.”
Prof. Dr. Hanno Martens

Abschließend interessierte uns, wie sich der Nachhaltigkeitsbegriff selbst weiterentwickelt und wie flexibel der Investment-Prozess aufgestellt ist, um neue Entwicklungen wie die Verschmelzung von ESG und Innovation frühzeitig zu integrieren.

„Nachhaltigkeit und Innovation bedingen und fördern sich gegenseitig. Dabei verschmelzen Nachhaltigkeit und Innovation zusehends, weil Nachhaltigkeit sich mit den Bedürfnissen der Menschen auf diesem Planeten auseinandersetzt und dadurch als Innovationstreiber wirkt. Dabei tut dem Begriff „Nachhaltigkeit“ ein positiveres und ganzheitlicheres Verständnis, als es in unserer Gesellschaft manchmal der Fall ist, gut. Den Begriff somit um weitere Dimensionen wie Innovation, menschliches Wohlbefinden, Lebensqualität und Sicherheit zu erweitern ist hier eine hilfreiche Entwicklung. Wir brauchen innovative Unternehmen, die uns ökonomisch absichern und gleichzeitig positiven Impact generieren. Ein hervorragendes Beispiel dafür sind Unternehmen der KI-Medizin, die langfristig eine verbesserte Gesundheitsversorgung ermöglichen. Nachhaltigkeit ist vielschichtig und erfindet sich stetig neu. Genau deshalb richtet unser standardisierter Prozess den Blick auch gezielt auf die zukünftige Entwicklung sowie konkrete Planungen der Unternehmen, um solche Innovationen zu antizipieren.”
Prof. Dr. Hanno Martens

Was das konkret bedeutet

Für Anleger heißt das im Kern, dass sich der Anspruch der DN Group AG an konkreten, nachvollziehbaren Prüfschritten festmachen lässt statt an allgemeinen Nachhaltigkeitsversprechen. Wer verstehen will, ob ein Impact-Investment seinen Namen verdient, kann gezielt danach fragen, welche Ausschlusskriterien greifen, an welches SDG ein Unternehmen nachweislich anknüpft und wie ein Scoring-Modell einzelne Schwächen sichtbar macht statt sie im Durchschnitt zu verstecken. Das Gespräch mit Martens zeigt zudem, dass belastbare Kennzahlen und regulatorische Vorgaben wie die CSRD kein Hindernis für Rendite sind, sondern die Grundlage dafür, wirtschaftlichen Erfolg und ökologischen Mehrwert überhaupt erst vergleichbar zu machen.

Für die DN Group AG ist dieser wissenschaftlich fundierte Investment-Prozess, entwickelt in enger Zusammenarbeit mit der CBS International Business School, ein zentraler Baustein des eigenen strukturierten Venture-Impact-Assessment-Prozesses. Jede Beteiligung durchläuft dieses mehrstufige Prüfmodell, dessen messbarer Beitrag zu konkreten sozial-ökologischen Zielen die Grundlage jeder Investitionsentscheidung bildet. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Versprechen und einem belegbaren Impact.